Trockene Gräben in der Gemeinde sorgen für traurige Gesichter

Wie hier in der Kolkwitzer Schulstraße sind viele Gräben in der Gemeinde derzeit ausgetrocknet. Foto: Mathias Klinkmüller

Für viel Trübsinn sorgen derzeit die trockenen Gräben in der Gemeinde. Wie im Schulgraben wo junge Angler die letzten überlebenden Fische zu retten versuchten, sind vor allem die Tiere die Leidtragenden dieser Maßnahme. Hintergrund ist die Entscheidung des Landesumweltamtes. dass bei der Wasserversorgung die Spree Vorrang gegenüber den Gräben habe. Da die Gemeinde selbst nicht über die Maßnahme im Bilde war, erkundigte Sie sich beim Landesamt für Umwelt, worauf die Abteilung Wasserwirtschaft 1 folgendes antwortete:

  1. Welche Ursachen sind, neben der ganzjährig zu geringen Regenwasser­menge, außerdem Ihrerseits bekannt?

Seit Beginn 2018 hat sich aufgrund der ausbleibenden Niederschläge ein Defizit von ca. 360 Millimeter Niederschlag im gesamten Einzugsgebiet der Spree aufgebaut. Das entspricht ca. 60 % eines Jahresniederschla­ges. Dies führte zu extrem geringen Zuflüssen zu den Talsperren und Speichern entlang des Spreeverlaufs. War die Talsperre Spremberg zu Beginn der Niedrigwasseraufhöhung im Mai 2020 zwar mit 97 % nahezu vollständig gefüllt, konnten an der Talsperre Bautzen lediglich 75 % des Beckenwasservolumens angestaut werden. Das Wasserdargebot aus der Talsperre Quitzdorf konnte in diesem Jahr nicht für die Niedrigwasserauf-höhung genutzt werden, da die Talsperre Quitzdorf im Jahr 2019 aufgrund von zwingend notwendigen Sanierungsarbeiten stark abgesenkt werden musste. Durch die historisch niedrigen Zuflüsse konnte im Anschluss nicht einmal das untere Absenkziel des Betriebsraums erreicht werden.
Zusätzlich bedingten die besonders heißen und langen Sommermonate der Jahre 2018 und 2019 extreme Verdunstungsverluste, welche zusätz­lich die Abflusssituation verschärften. Insgesamt war das obere Spreegebiet zu Beginn der Niedrigwasserbewirtschaftung im laufenden Jahr durch eine schlechte Speicherfüllung und niedrige Zuflüsse gekennzeichnet. Un­ter diesen Voraussetzungen konnte die Niedrigwasseraufhöhung nur ein­geschränkt durchgeführt werden.

  1. Wie lange wird der Zustand anhalten hinsichtlich der deutlich reduzierten Wasserabgabe seitens der Spree?

Aufgrund der aktuellen Abflusssituation im Spreegebiet in Verbindung mit den Füllständen der Talsperren und Speicher musste eine Vielzahl von Maßnahmen mit dem Ziel der Abflussstützung der Spree ergriffen werden. Aus den Erfahrungen, die dem LfU aus den letzten zwei Trockenjahren vorliegen, ist die Reduzierung der Ausleitung aus der Spree in z.B. den Priorgraben eine wirksame Maßnahme das o.g. Ziel zu erreichen.

Auf Basis aller Erfahrungen der Trockenjahren 2018, 2019 und 2020 wird aktuell ein Konzept zur Niedrigwasserbewirtschaftung der Spree durch das LfU erarbeitet.

Wann die jeweiligen reduzierten Abgaben aus der Spree in die Nebenge­wässer wieder erhöht werden, kann nach heutigem Kenntnisstand nicht gesagt werden. In den kommenden Monaten ist grundsätzlich von einer leichten Entspannung im Wasserhaushalt auszugehen, die aber vor allem genutzt werden muss, um die Speicher für das nächste Jahr zu füllen. Bei ausreichendem Wasserdargebot und stabiler Einhaltung der Mindestab­flüsse werden aber alle Ausleitungen gemäß wieder mit Wasser versorgt. Für eine grundlegende Änderung der Situation, auch im Hinblick auf das Jahr 2021, wären überdurchschnittliche Niederschläge im Winterhalbjahr notwendig.

  1. Warum hat das LfU nicht die Gemeinden im Vorfeld über die drastische Kürzung der Ausleitmenge mit den voraussichtlichen Folgen informiert?

Seitens des LfU wurden die Landkreise hinsichtlich der ergriffenen Maß­nahmen zur Stützung des Abflusses der Spree informiert. Die Weitergabe der Information an die jeweiligen Gemeinden obliegt den Landkreisen.

  1. Kurzzeitig konnte Ende August an Anfang September wieder Wasser in den Ausleitungen des Priorgrabens festgestellt werden. Hing dies mit den starken Regenfällen zu dieser Zeit zusammen und wurde daraufhin die Wasserabgabe der Spree kurzzeitig erhöht?

Seit dem 16.07.2020 war die Ausleitung zum Priorgraben auf ca. 450 L/s reduziert. In diesem Zusammenhang wurden Ausleitungen entlang des Priorgrabens verschlossen. Ende August kam es zu dem Starkregener-eignis. Da eine Stabilisierung der Abflüsse der Spree eintrat, wurde am 01.09.2020 die Ausleitung aus der Spree in den Priorgraben wieder auf ca. 0,5 m3/s erhöht. Auch die Ausleitungen entlang des Priorgrabens wur­den daraufhin wieder leicht geöffnet. Somit kann es zu einer Überlagerung des Starkniederschlagsereignisses und der Erhöhung der Ausleitung aus der Spree.

Weitere Informationen aus dem Umweltministerium finden Sie hier (bitte anklicken).

Skip to content